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Wandertipps für den Frühling auf Mallorca: Auf alten Eremitenpfaden

Nur langsam gewöhnen sich die Augen an das Zwielicht. Auf einem steinernen Altar steht ein Kruzifix, daneben allerlei Heiligenfiguren, Heiligenbildchen und Zettel. Und dann ist man überrascht

In der Ermita de la Santísima Trinitat bei Valldemossa leben bis heute Einsiedler – in Erscheinung treten sie allerdings kaum einmal. | Jonas Martiny

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Nur langsam gewöhnen sich die Augen an das Zwielicht. Auf einem steinernen Altar steht ein Kruzifix, daneben allerlei Heiligenfiguren, Heiligenbildchen und Zettel, auf die Unbekannte ihre dringendsten Wünsche gekritzelt haben. Metertief zieht sich der höhlenartige Raum in den Fels. Weiter hinten zeugt Mauerwerk von menschlicher Präsenz. Es handelt sich um die sogenannte Höhle des Eremiten Guillem, Sa Cova de s’Ermità Guillem, in den Wäldern oberhalb von Valldemossa. Ihren Namen verdankt der Ort dem Einsiedler Guillermo de San Pablo, der dort im 17. Jahrhundert ein zurückgezogenes Dasein gefristet haben soll, wie Heimatforscher Felio Bauzá in seinem Buch über Mallorcas Eremiten schreibt. Darin heißt es: „Mallorca hat eine überaus reiche eremitische Vergangenheit.” Diese reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Der Philosoph und Theologe Ramón Llull gilt gemeinhin als einflussreichster Eremit in der Geschichte Mallorcas, dem in der Folge unzählige Gläubige nacheiferten. Llull soll sich einst in eine Höhle auf dem Berg Randa zurückgezogen und dort seine Erleuchtung erfahren haben. Die 543 Meter hohe Erhebung bei Algaida gilt als eines der spirituellen Zentren der Insel. Neben zwei bedeutenden Heiligtümern, dem Santuari de Nostra Senyora de Gràcia und dem Santuari de Nostra Senyora de Cura, gibt es dort oben auch die Einsiedelei Ermita de Sant Honorat, wo die Missionare der heiligen Herzen Jesu und Mariä noch immer in Abgeschiedenheit leben, wenngleich auch nicht nach den strengen, einst von den frühchristlichen Wüstenvätern Antonius des Großen und Paulus von Theben aufgestellten eremitischen Regeln. In Sant Honorat finden heute auch Kurse, Seminare und sonstige Veranstaltungen statt.

Voilà, die Ermita de la Santísima Trinitat

Den besten Eindruck vom eremitischen Leben auf Mallorca bekommt man in den Wäldern zwischen Valldemossa und Deià im Tramuntanagebirge. Auch das liegt an Ramón Llull. Der nämlich verbrachte einst zwei Jahre im Kloster Miramar und gründete dort eine Missionarsschule. Hin und wieder soll er sich in eine in den umliegenden Wäldern gelegene Höhle zurückgezogen haben, die heute noch existierende Cova d’en Ramón Llull. In der Folge entstanden in der Gegend mehrere Einsiedeleien, unter anderem die Ermita de la Santísima Trinitat, Sitz der im 17. Jahrhundert von Joan de la Concepció Mir i Vallès gegründeten Eremitengemeinschaft Congregació de Sant Pau i Sant Antoni. Von dort ausgehend entstanden dann auch in anderen Gemeinden der Insel Einsiedeleien, deren Bewohner sich den strengen Ordensregeln unterwarfen: abgeschieden vom Rest der Welt, betend, schweigend, arbeitend, in Armut und auf der Suche nach der Einheit mit Gott, kein Fleisch und Wein, stattdessen Hülsenfrüchte und Gemüse.

Noch im 20. Jahrhundert gab es inselweit Dutzende Einsiedeleien. Auch die Cova de s’Ermita Guillem diente noch vor nicht allzu langer Zeit als spiritueller Rückzugsort. Seit im Jahr 2010 die letzten Bewohner die Ermita von Betlem in Artà verließen, existiert religiös-eremitisches Leben auf Mallorca heute allerdings nur noch in der Ermita de la Santísima Trinitat.

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