Während im Mühlenviertel Es Jonquet in Palma auf Mallorca die Baukräne auffahren, entsteht dort vor allem eines: Neuer, dringend benötigter Sozialwohnraum, allerdings in homöopathischer Dosis. Gerade einmal sieben Sozialwohnungen sind im Projekt Xojay Jonquet vorgesehen. Wie die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung Ultima Hora berichtete, werden sie von der Balearen-Regierung verwaltet, ihre Preise sind gedeckelt und gedacht für Familien, die sich die stetig steigenden Mieten und Kaufpreisen in Palma längst nicht mehr leisten können. Für diese Familien bedeutet eine solche Wohnung vor allem Stabilität und die Möglichkeit, zu bleiben und nicht weiter an den Stadtrand gedrängt zu werden.
Doch diese sieben Einheiten sind nur ein kleiner Aspekt eines deutlich größeren Vorhabens. Insgesamt entstehen auf dem Grundstück oberhalb der Hafenpromenade Paseo Marítimo 60 brandneue Wohnungen, 53 davon im Luxussegment. Die Sozialwohnungen machen damit nur einen Bruchteil der Anlage aus, eine gesetzlich vorgeschriebene Quote innerhalb eines Projekts, das klar auf ein zahlungskräftiges Publikum ausgerichtet ist.
Fertigstellung und Übergabe sind für 2027 geplant
Auch räumlich zeigen sich die sozialen und ökonomischen Unterschiede: Die geförderten Wohnungen liegen in einem eigenen Block, ohne besondere Aussicht, funktional geplant. Die drei Hauptgebäude mit den frei verkäuflichen Einheiten hingegen öffnen sich zum Meer, mit Blick auf Hafen und Bucht – die begehrteste Lage des Grundstücks. Während die einen auf staatlich regulierte Preise angewiesen sind, beginnen die Kaufpreise für die anderen bei 2,6 Millionen Euro und steigen bis auf 9,5 Millionen. Für einen Stellplatz kommen zusätzlich 75.000 Euro hinzu.
Schon vor Baubeginn waren fast ein Viertel der Einheiten verkauft, vor allem an Käufer aus Spanien und Deutschland. Terrassen mit Meerblick, Wellness- und Freizeitbereiche sowie diverse Serviceangebote gehören hier ebenso zum Standard. Selbst ein historischer Tunnelkomplex mit erheblichem denkmalpflegerischem Wert, vermutlich ein Relikt aus dem Bürgerkrieg, wurde schließlich in die Planung integriert, statt das Projekt zu verzögern. Nach jahrelangen Genehmigungsverfahren soll nun gebaut werden, die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.
Beworben wird der Komplex entsprechend nicht als Wohnanlage, sondern fast wie ein privates Resort: mit 24-Stunden-Sicherheitsdienst, Chauffeur- und Concierge-Service, Gemeinschaftsboot, Elektroauto, Privatkoch, Spa- und Wellnessbereich, Heimkino, Fitnessraum, Weinkeller, Golfsimulator, Autowaschanlage sowie großzügigen Pool- und Grünflächen. Ein Lebensstil, der mit dem Alltag der künftigen Sozialmieter kaum etwas gemein hat. Wie dieses Nebeneinander organisiert werden soll, bleibt offen. Klar ist, dass der soziale Abstand größer sein dürfte als die wenigen Meter zwischen den Gebäuden.
So entsteht in Es Jonquet ein Sinnbild für die Entwicklung Palmas … wenige Sozialwohnungen für Menschen mit kleinem Einkommen, umgeben von Dutzenden Apartments, die Millionen kosten und Hotelkomfort versprechen. Arm und Reich werden hier künftig nicht nur im selben Viertel leben, sondern Tür an Tür.