Der Zenit des Winters bestimmt den Alltag in den Touristengebieten auf Mallorca, in denen nur ein kleiner Teil der Hotels geöffnet bleibt, ebenso wie ein Teil des Komplementärangebots. Ende Januar/ Anfang Februar sind im Norden Mallorcas – einer Region, in der der Tourismus den Rhythmus eines großen Teils des Gebiets vorgibt – lediglich einige grundlegende Dienstleistungen geöffnet: Apotheken, Bankfilialen, Supermärkte sowie einige Bars und Restaurants. In diesem Gebiet herrscht auf den weiten Straßen und Avenuen überwiegend Stille. Bauarbeiten an manchen Stellen entlang dieses langen Küstenstreifens sind neben der See das einzige Grundrauschen, das die Monotonie durchbricht.
In Port d'Alcúdia zeigt etwas mehr Leben, vor allem seit Ende Januar mit der Ankunft der Teilnehmer der Radsportveranstaltung Challenge, die auch in einem weiteren Hotel an der Playa de Muro untergebracht sind. Dort fällt auch die Öffnung einiger Betriebe aus dem Segment des Radtourismus auf, die sich auf den Fahrradverleih oder den Verkauf von Ausrüstung spezialisiert haben, auch wenn das Geschäftsvolumen eher symbolisch ist. „Es ist niemand da, die Hotels sind geschlossen. Wir öffnen, weil es unsere Arbeit ist, nicht weil wir die Erwartung haben, viel zu verkaufen – aber ab und zu kommt doch etwas rein“, berichtet die Leiterin eines der wenigen noch geöffneten Geschäfte an der Playa de Muro. Dann ruft sie aus: „Hoffentlich ist bald Ostern!“
Can Picafort ist innerhalb dieser Zone Mallorcas eine Art Oase, auch wenn die Schließung der Hotels ebenfalls das Nebenangebot betrifft. Die hohe Zahl an Residenten sorgt jedoch dafür, dass viele Dienstleistungen und Geschäfte – vor allem die grundlegenden – geöffnet bleiben. Ähnlich ist die Situation im Hafen von Alcúdia, wo einige Betriebe mit Renovierungen oder der Wiedereröffnung beschäftigt sind, um im April wieder durchstarten zu können. Ganz anders präsentiert sich das Stadtzentrum von Alcúdia: Es läuft nahezu auf Hochtouren, mit Ausnahme der stark auf Touristen ausgerichteten Geschäfte, denn Besucher von auswärts bewegen sich derzeit nur spärlich innerhalb der Stadtmauern.
Einzelhändler fordern mehr geöffnete Hotels
Wie in anderen touristischen Gebieten der Insel fordern die Einzelhändler, „dass die Hotels früher öffnen oder bereits im Januar den Betrieb aufnehmen, um für ein wenig Aktivität zu sorgen“. Alle sehen dem Frühjahr mit großen Erwartungen entgegen. Dann verändert sich das Erscheinungsbild und die Atmosphäre grundlegend: Mit der Karwoche Anfang April kommt die Maschinerie in Gang, und gegen Ende desselben Monats noch deutlicher. Der Grund: Mit der Austragung der Radsportwettbewerbs „Mallorca 312“, werden 8500 Teilnehmer und deren Begleitpersonen angelockt. Das Event gilt als offizieller Startschuss für die Saison. „Diese Tage sind – abgesehen vom Sommer – die hektischsten“, sagen zwei Händler. Dann verweisen sie auf die derzeit heruntergelassenen Rollläden, die im Winter das Bild im Norden Mallorcas prägen.
Ein Ort mit Leben ist der große Ferienkomplex Bellevue bei Alcúdia, in dem eine ständige Wohnbevölkerung, Bauarbeiter aus der Umgebung und Bars wie La Jarra für ein geschäftiges Treiben sorgen – im Rahmen des allgemeinen Trends. Diese Nachfrage hier ermöglicht es solchen Lokalen zu überleben. Sie dienen in der Nebensaison als Treffpunkt für Anwohner, Arbeiter und auch den einen oder anderen vorbeikommenden Radfahrer. Doch auch hier ist nicht gerade viel los. Darum zählen alle die Wochen, bis der Frühling kommt – und mit ihm die Karwoche und folglich das Auftauchen der ersten Touristen des Jahres 2026.