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BETRUGSMASCHE

Albtraum auf Mallorca: Britin in Calvià kämpft um ihr besetztes Apartment

Nachbarn hatten die in London lebende Frau auf Aktivitäten in deren Wohnung hingewiesen. Die Anwesende verweist auf einen – wenn auch falschen – Mietvertrag und sieht sich als Betrugsopfer.

Die Apartmentanlage in der Cala Vinyes in Calvià | Foto: F.F.

| Palma, Mallorca |

Wieder sorgt eine Hausbesetzung auf Mallorca für Schlagzeilen – und für schlaflose Nächte bei einer Eigentümerin. In einem Apartmentkomplex in der Cala Vinyes in der Gemeinde Calvià lebt seit mehreren Wochen eine Frau mit ihrem Sohn in einer Wohnung, die einer Britin gehört. Die Eigentümerin spricht von einem "Albtraum", die Bewohnerin sieht sich als Opfer eines Betrugs.

Die Britin, die in London lebt, will das Apartment nach eigenen Angaben vor 22 Jahren erworben haben. Vermietet habe es sie in all den Jahren nie. Vor wenigen Tagen sei sie von einem Nachbarn informiert worden, dass sich plötzlich Leben in der Wohnung zeige. In dieser Jahreszeit stehe die Immobilie aber gewöhnlich leer. "Es war schrecklich", sagt sie gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". "Ich habe es zufällig erfahren, ein Nachbar rief mich an." Ihr Bruder, der sich auf der Insel aufhalte, habe die Situation überprüft. Und tatsächlich eine fremde Frau an der Wohnungstür vorgefunden, die erklärt habe, sie habe die Wohnung gemietet.

Die Schlösser seien ausgetauscht worden, berichtet die Eigentümerin. "Ich habe keinen Schlüssel, ich kann nicht in mein eigenes Haus", sagt sie. Als sie schließlich selbst nach Mallorca reiste und die Wohnung betreten konnte, habe sie diese "schmutzig und unordentlich" vorgefunden. "Mir ist das Herz gebrochen. Es ist mein Haus, mein Leben, meine Erinnerungen."

Die aus Frankreich Bewohnerin bestreitet eine widerrechtliche Besetzung. Sie gibt an, das Apartment gegen Zahlung einer Kaution und einer Vorauszahlung von einem Mann gemietet zu haben, der sich als Eigentümer ausgegeben habe. Der Mietvertrag habe sich später als gefälscht herausgestellt. Sie fühle sich betrogen und habe Anzeige erstattet. "Ich habe nichts falsch gemacht, ich will nur wissen, was ich tun soll. Wenn ich zahlen muss, zahle ich", sagt sie. Sie wünsche sich "eine Wohnung für meinen Sohn und mich, damit wir in Ruhe leben können".

Der Fall ist nach Darstellung der Regionalzeitung kein Einzelfall. Nach Angaben der örtlichen Behörden kommt es in der Gemeinde Calvià immer wieder "zu ähnlichen Situationen". In dem betroffenen Komplex in der Cala Vinyes, in dem derzeit Renovierungsarbeiten ruhen und viele Hotels sowie Geschäfte in der Nebensaison geschlossen sind, seien zwei Wohnungen betroffen. Neben der Französin mit ihrem Sohn lebe dort ein Venezolaner, gegen den bereits ein gerichtlicher Räumungsbeschluss vorliege. Diesem zufolge solle er die Wohnung im April verlassen. Auch er behauptet, er sei Opfer eines Betrugs geworden. "Die Eigentümer haben mich angezeigt, weil ich einen falschen Vertrag hatte. Ich wusste das nicht, man hat mich betrogen", sagt er.

Ein Anwohner spricht von "Betrügern, die sich Schlüssel besorgen und sie weiterverkaufen". Nach Einschätzung von Beobachtern gibt es auf Mallorca Netzwerke, die gezielt Wohnungssuchende täuschen. Sie überlassen ihnen gegen hohe Anzahlungen Wohnungen, zu denen sie sich unrechtmäßig Zugang verschafft haben. Die Betroffenen geraten dann zwischen die Fronten: Eigentümer bestehen auf Herausgabe ihres Besitzes, während die vermeintlich legalen Mieter sich als Opfer sehen.

Für die britische Eigentümerin beginnt nun ein langwieriger Rechtsstreit. Sie habe ein Verfahren eingeleitet, um ihre Wohnung zurückzuerlangen. Zunächst solle der Bewohnerin schriftlich und persönlich eine Frist gesetzt werden, ehe man den Rechtsweg beschreite. "Ich weiß nicht, was es kosten wird und wie lange es dauert, aber ich will zurück, was mir gehört", sagt sie gegenüber dem MM-Schwesterblatt.

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