Wer im Winter nach Mallorca kommt, ist nicht selten überrascht bis entsetzt wegen lauter Bauarbeiten in sonst so lauschigen Ferienorten. Dieses Jahr trifft es ganz besonders heftig den bei deutschen Genuss-Touristen so beliebten Hafen Port d’Andratx: Die Uferpromenade Avenida Mateo Bosch, von wo aus man normalerweise bei einem Gläschen Wein oder Aperol Spritz verträumt die Bucht überblicken und die Fischer beim Entleeren der Netze beobachten kann, ist derzeit kaum wiederzuerkennen. Auch angrenzende Straßen sind betroffen.
Der Lärm ist dort dieser Tage zeitweise nicht zu ertragen: Männer mit Presslufthämmern reißen den Teer auf, Bagger mit schweren Schaufeln sind im Einsatz, lange graue Rohre werden verlegt, die Betreiber der wenigen momentan geöffneten Restaurants haben alle Mühe, die Terrassentische von herumwaberndem Staub zu befreien. Im „Bella Italia” macht man während der MM-Ortsbegehung gute Miene zum nervenden Spiel: „Da müssen wir halt durch”, so ein Kellner. „Hoffentlich ist es bald vorbei.” Die Passanten ertragen das Ganze auf fatalistische Weise oder sind verärgert. Holger Dettmer aus Hannover äußert sich deutlich: „Wir wussten von den Bauarbeiten gar nichts”, so der Urlauber gegenüber MM. „Sonst wären wir nicht gekommen.”
Die Abwasserentsorgung wird in Port d’Andratx gerade auf Vordermann gebracht, immerhin 4,1 Millionen Euro stehen laut der Gemeinde dafür zur Verfügung. Die Arbeiten sollen bis zum Beginn der Saison dauern, sind Teil der Vergrößerung der Kläranlage von Andratx. Das Ziel ist ein hehres: Man will verhindern, dass Schmutzwasser einfach so ins Hafenbecken gelangen kann.
Und so müssen Anwohner und Touristen bis auf Weiteres ertragen, was hier passiert: Unter den sich im Wind neigenden Palmen wird gegraben und planiert, was das Zeug hält. Hinzu kommt ein im Umbau befindliches großes Gebäude, in welchem bis zum Saisonbeginn ein weiteres Hotel der Cappuccino-Gruppe entsteht. Der durch und durch unvorteilhafte derzeitige optische Eindruck lässt einen betrübt an nicht allzu ferne schöne Zeiten mit Traumsonnenuntergängen am Ufer mit dem plätschernden Meer zurückdenken.
Wobei die Baustelle auf der Höhe des Traditionshotels Brismar im Augenblick aufhört, dort also weiterhin ein bisschen altes Port-d’Andratx-Ambiente aufflammt.
Auch in anderen Küstendörfern Baustellen
So wie in dem Edelhafenort im Südwesten der Insel geht es auch in Küstenbereichen woanders auf Mallorca zu: In Colònia de Sant Jordi im Südosten wird ebenfalls bereits seit Wochen im Hafen, im Carrer Gabriel Alomar, Hand angelegt. Hier ist man weiter als in Port d’Andratx, bereits im März soll laut der zuständigen Gemeinde Ses Salines alles fertig sein. Auch hier wird das Abwasserentsorgungssystem optimiert, hinzu kommt eine fußgängerfreundliche Verbreiterung von Bürgersteigen, 414.000 Euro stehen zur Verfügung.
Ein weiterer von vielen Deutschen frequentierter Ferienort, in welchem derzeit die Bagger unterwegs sind, ist Canyamel im Nordosten. Rund um die Nuredduna-Straße wird die Straßenbeleuchtung gerade erneuert. Eine Neupflasterung von Bürgersteigen ist ebenfalls in der Mache. Nicht weniger als 1,8 Millionen Euro hat dafür die Europäische Union zugeschossen.
Lärmige Arbeiten gehen auch im malerischen bis rustikalen Ort Porto Cristo vonstatten, und zwar für 1,1 Millionen Euro am Ufer des sogenannten Riuet, dem formschön wie ein Finger ins Land ragenden Meeresarm mit den vielen schönen Llaut- und sonstigen Booten. Bis zum Juni wollen dort die balearische Hafenbehörde Ports IB und die zuständige Kommune Manacor unter anderem mit der Verlegung von Strom-, Wasser- und Telefonleitungen sowie dem Aufstellen einer neuen Beschilderung nebst Bänken fertig sein.