Die spanische Nationalpolizei hat im Osten Mallorcas einen äußerst aktiven Kokain-Verkaufsstützpunkt in einer Erdgeschosswohnung ausgehoben. Festgenommen wurden die beiden beschuldigten Senioren – ein 69-jähriger Mann und seine 64-jährige Ehefrau, beide spanische Staatsangehörige, im beliebten Ferienort Porto Cristo.
Die Ermittlungen begannen bereits vor einigen Monaten, nachdem Hinweise eingegangen waren, dass aus der Wohnung heraus mit Betäubungsmitteln gehandelt werde. Bei Observierungen stellten die Beamten einen ständigen Zustrom von Käufern fest, die das Gebäude betraten und wieder verließen. Innerhalb von neun Tagen dokumentierten sie bei verschiedenen Überwachungsmaßnahmen 41 Kokainverkäufe. Den Ermittlern zufolge erzielte das Paar dabei einen geschätzten Gewinn von rund 1000 Euro.
Einige Kunden wurden nach dem Verlassen des Hauses kontrolliert; bei ihnen wurden jeweils Dosen Kokain sichergestellt. Für den Verkauf verantwortlich waren der Mann und die Frau, die verschiedene Sicherheitsmaßnahmen nutzten, um polizeiliche Kontrollen zu umgehen. Der Hauptbeschuldigte fuhr mit einem Audi A4 regelmäßig verschiedene Punkte entlang der Straße zwischen Porto Cristo und Son Carrió an, wo er das Rauschgift versteckte. Später holte er es wieder ab, um es von seiner Wohnung aus zu verkaufen. Die Verstecke – sogenannte „Drogen-Depots“ – befanden sich an abgelegenen Nebenwegen.
Drogen in Steinmauern versteckt
Nach richterlicher Genehmigung brachten die Ermittler ein GPS-Ortungsgerät an dem Fahrzeug an und konnten so die Fahrten des Drogen-Opas nachvollziehen. Dabei wurde festgestellt, dass er die Drogen in Felsnischen entlang von Steinmauern deponierte. An einem Punkt an der Landstraße Ma-4024 lagerte er Kokain, Bargeld und diverse Utensilien zur Portionierung der Droge. Bei seinen Fahrten zu den Depots ging der Mann äußerst vorsichtig vor. Er verließ das Haus, blickte mehrfach die Straße entlang und ging sogar bis zu den Straßenecken, um sicherzugehen, dass ihm niemand folgte. Anschließend stieg er ins Auto, fuhr langsam und kontrollierte ständig den Rückspiegel.
Am Versteck angekommen stellte er den Motor nicht ab. Innerhalb weniger Sekunden griff er in eine Mauernische, entnahm ein dort verborgenes Paket und brachte die Ware ohne Zwischenstopp direkt zurück in seine Wohnung. Dort öffnete er die Türen und begann mit dem Verkauf. Die Ermittler stellten zudem fest, dass auch in einer Bar in Porto Cristo Drogenverkäufe stattgefunden haben sollen.
Nach Einschätzung der Polizei spielte die Ehefrau eine zentrale Rolle in dem kriminellen Geflecht.
Sie lebten vom Drogenhandel
Während ihr Mann Nachschub holte, übernahm sie die Überwachung der Wohnung. Zudem verkaufte auch sie Kokain an die Käufer – teils gemeinsam mit ihrem Mann, teils allein. In der Wohnung befand sich jeweils nur die Menge an Drogen, die für den Tagesverkauf vorgesehen war. Der Lebensunterhalt des Paares basierte ausschließlich auf dem Drogenhandel.
Am Morgen des 18. Februar nahmen Beamte der Nationalpolizei das Ehepaar fest und durchsuchten die Erdgeschosswohnung. Dabei wurden 14 einzeln verpackte Portionen Kokain mit einem Gesamtgewicht von rund 7,5 Gramm sichergestellt. Außerdem fanden die Ermittler 7885 Euro in Scheinen zu 100, 50, 20, 10 und 5 Euro. Das Geld war im Kleiderschrank im Schlafzimmer der Frau in mehreren Geldbörsen versteckt und zusätzlich mit einem Vorhängeschloss gesichert. Im selben Raum entdeckten die Beamten zudem eine Metall-Spardose mit weiteren 1162 Euro in Münzen.